Freitag, 21. März 2025
Bisher war es ja eigentlich immer so, dass sich die Akteure an der Herkuleskeule einen Namen erarbeitet haben und dann berühmt wurden. Bei ihm ist das ein bisschen anders: Er kam schon mit einem prominenten Namen in den Kabarettkeller im Kulturpalast, um hier quasi noch berühmter zu werden: Alexander G. Schäfer, Sohn des prominenten Berliner Schauspielers Gerd E. Schäfer. Aktuell ist er im Kultstück „Leise flehen meine Glieder“ zu erleben. Und nicht nur dort ...
Herr Schäfer, nervt es eigentlich, immer auf den prominenten Vater angesprochen und letztlich ja auch mit ihm verglichen zu werden?
Natürlich nicht. Ich bin stolz auf meinen Vater, habe schließlich zwei Bücher über ihn geschrieben. Verglichen wird man immer mit irgendjemandem, da muss man nicht unbedingt berühmte Eltern haben. Außerdem, beweisen muss man sich allein, da hilft kein Name.
Wer Sie derzeit im Keule-Programm „Leise flehen meine Glieder“ erlebt, merkt aber eben auch sehr deutlich, dass das Komödianten-Gen vererbbar sein muss. Sie haben sichtlich Spaß am Kabarett …
Ich habe sozusagen mit Kabarett angefangen. Von 1996 bis 2004 war ich Mitglied des renommierten Berliner Kabaretts „Die Stachelschweine“ unter Altmeister Wolfgang Gruner. Danach war ich noch gut zehn Jahre mit eigenen Kabaretts unterwegs, was mich sogar bis nach Afghanistan und Südamerika gebracht hat. Danach wollte ich mich wieder mehr auf das Theater konzentrieren, habe verstärkt inszeniert und sogar den „Faust“ über 50 Mal gespielt. Erst durch das Angebot der Herkuleskeule habe ich wieder zum Kabarett gefunden. Ja, es macht Spaß. Dazu das tolle Haus, die wunderbaren Kollegen …
Hätte Ihr Vater Sie denn überhaupt etwas anderes, zum Beispiel auch Straßenbahnfahrer werden lassen?
Ja natürlich, solch einen Dünkel gab und gibt es in meiner Familie nicht. Ein Beruf, egal wo, ist doch aller Ehren wert! Und ich fahre übrigens gerne Straßenbahn.
Was viele vielleicht gar nicht so auf dem Schirm haben: Gerd E. Schäfer war nicht „nur“ der bekannte Volksschauspieler der vermeintlich leichten Muse, sondern viele Jahre auch politischer Kabarettist an der Distel in Berlin. Auch da gibt es also wieder Überschneidungen mit Ihrem Vater ... Was reizt Sie an politischer Satire?
Da muss ich zunächst mal widersprechen. Für viele Menschen ist mein Vater als „Der Kabarettist“ bekannt. Die Distel war 13 Jahre seine Heimat. Und viele spätere Kabarettisten haben meinen Vater um Rat gefragt; auch zum Beispiel Herkuleskeulen-Urgestein Hans Glauche. Übrigens noch eine kleine Herkuleskeulen-Schäfer Überschneidung gibt es: Otto Stark war Mitbegründer der Herkuleskeule, später an der Distel Kollege von meinem Vater. Und dessen Tochter Mirijam war meine Partnerin in meinem Stück „Diät, Diät“, das in Dresden gespielt wurde. Ich mag politische Satire, aber mittelweile mehr die Satire als die Politik. Die heutige Politik als Satire ist sowieso unschlagbar!
Sie kommen ja kulturell viel rum: Wenn Sie Reklame für die Herkuleskeule machen sollten, was würden Sie mit Blick auf die deutsche Kabarettlandschaft da ins argumentative Feld führen?
Ensemble-Kabarett auf höchstem Niveau. Auch musikalisch!
Verraten Sie uns noch kurz das Geheimnis, wie es zum G. in Ihrem Namen gekommen ist?
Mein zweiter Vorname ist Gerhard. Da es wirklich unfassbar viele Alexander Schäfer gibt, habe ich das G mit hineingenommen - um Verwechslungen vorzubeugen. Übrigens hatte mein Vater dasselbe Problem. Im Berliner Ensemble gab es in den 1950er Jahren einen Schauspieler Gert Schaefer. So hatte sich mein Vater entschlossen, sein E mit in den Namen hineinzunehmen.
Gespräch: Jens Fritzsche
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